Richtig lernen - Ja! Lernen kann man lernen
Schrift:3. Februar 2009 in Wissen | 4 Kommentare | Artikel drucken
V. Spielereien
Zum Ausklang möchte ich diesen Artikel mit ein paar »Spielereien« abschließen. Diese sind im Alltag zu gebrauchen um sich Allgemeinbildung, Namen und Zahlen merken zu können.
5.1 Die fĂĽnf Sinne
An welchem Tag flogen die zwei Flugzeuge in die World Trade Center? Dinge, die uns bewegen, die mit Emotionen verbunden sind, merken wir uns schnell. Jeder, der den Film gesehen hat, wird durch diesen Dialog den Titel wissen: Er: »[…] nicht die Augen aufmachen, vertrauen Sie mir.« Sie: »Ich vertraue Ihnen.« Er: »In Ordnung, jetzt öffnen Sie die Augen.« Sie: »Ich fliege […].«
Diese Szene im Film ist besonders bewegend und erregt Emotionen. Haben Sie den Film erkannt? Fahren Sie auf Name, um den Titel zu sehen. Dialoge ohne Emotionen lassen unser Gedächtnis kalt – bei einem solchen hätten Sie vermutlich behauptet, den Dialog noch nie gehört zu haben. Beim Lernen von vielen Informationen kompensieren wir dies durch den Wiederholungsrhythmus. Bei wenig Lernstoff bietet sich aber auch die Möglichkeit das Lernen durch den Einsatz unserer fünf Sinne zu vereinfachen. Diese fünf Sinne sind sehen, hören, riechen, schmecken, fühlen – mit diesen nehmen wir unsere Außenwelt wahr. Da Emotionen wie ich eben gezeigt habe das Gedächtnis beflügeln, können wir den Lernstoff nun in einer Geschichte verpacken, die unsere fünf Sinne anspricht. Wie diese Sinne durch bloßes schreiben angesprochen werden sollen? Dieses Beispiel von Christian Grüning zeigt, dass und wie es geht:
Stellen Sie sich vor, Sie halten eine große gelbe Zitrone in Ihrer Hand. Streichen Sie mit Ihren Fingern über die gewellte Oberfläche und legen Sie diese vor sich auf einen Tisch. Sie nehmen nun ein scharfes Messer und schneiden die Zitrone in der Mitte entzwei. Sie sehen, wie der Fruchtsaft aus der Zitrone quillt und an dem Messer hinuntertropft. Nehmen Sie nun eine Hälfte und führen Sie diese an Ihre Nase heran. Riechen Sie den säuerlichen Duft der Zitrone und spüren Sie, wie bei jedem Druck der klebrige Fruchtsaft schmatzend in Ihre Hand und Ihren Arm hinunter läuft. Berühren Sie mit Ihrer Zunge das Fruchtfleisch und beißen Sie anschließend kräftig in die Zitrone.
Haben Sie gemerkt, wie Ihre Sinne die Geschichte durchlebt haben? Hat sich in Ihrem Mund Speichel gebildet, um die Säure aus dem Mund zu spülen?
Wie diese Geschichte zeigen sollt, können die Sinne beeinflusst werden. Die Schwierigkeit für den Lernenden besteht nun darin, zum einen eine Geschichte für die Sinne zu schreiben, die aber zusätzlich noch Wissen vermitteln soll. Tauchen wir in eine weitere Geschichte ein, durch die man sich die Reihenfolge der Planeten merken kann:

Sie liegen in Ihrem Garten (malen Sie sich Ihren Traumgarten aus) in einem bequemen Liegestuhl und spüren die Sonnenstrahlen auf Ihrer Haut. Im Hintergrund tönt Musik von Freddy Mercury (englisch für Merkur). Vielleicht haben Sie ein Lieblingslied von Queen. Plötzlich geht das Gartentor auf und herein spaziert eine bezaubernde Göttin, die Venus. Geben Sie ihr ein besonderes Aussehen. Welche Kleider trägt sie? Vielleicht auch keine. (Im Bereich der Sexualität hat der Mensch übrigens ein nahezu unbegrenztes Erinnerungsvermögen.) Diese Göttin kommt nun auf Sie zu, und bestreut Sie mit Erde. Verärgert springen Sie aus Ihrem Liegestuhl und wollen mit einem Mars-Riegel bewaffnet auf dieses dreiste Wesen losstürmen, als plötzlich die Erde bebt und ein Riese die Szene betritt. Es ist Jupiter, der Gott aller Götter. Ehrfürchtig blicken Sie zu diesem 20 Meter großen Riesen auf, der sich schützend vor die Venus stellt. Er hat ein hellblau leuchtendes T-Shirt an, auf dem in goldenen Buchstaben das Wort SUN (die Anfangsbuchstaben von Saturn, Uranus, Neptun) geschrieben steht. An seinem Hosenbein hängt knurrend ein Walt-Disney-Hund namens Pluto, der Ihnen zu Hilfe geeilt ist.
Wer nun die Augen schlieĂźt und diese Geschichte noch einmal Bild fĂĽr Bild anschaut wird merken, dass er sich in kĂĽrzester Zeit die Reihenfolge der Planeten merken konnte.
5.2 Zahlen merken
Zahlen merken ist was für Notizblöcke? Ja, aber was wenn sie keinen zur Hand haben und vor Ihnen die Zahlen der nächsten Lottoziehung liegen? Ob nun die Uhrzeit des Termins oder die Hausnummer, begegnet uns im Leben ohne weiteres eine Situation, in der es sinnvoll wäre, sich die Zahl einfach merken zu können. Aber wie bringe ich mein renitentes Gedächtnis dazu, sich die besagte Zahl zu merken? Mit einem Trick, in dem ich die Zahlen abermals in einer Geschichte verpacke. Dafür muss für jede Zahl von null bis neun ein passendes Bild festgelegt werden:

Möchte ich mir nun zum Wohle der Allgemeinbildung endlich den Beginn des ersten Weltkrieges (1914) merken, überlege ich mir z.B. folgende Geschichte:
Auf der duftenden Blumenwiese sticht nur ein einziger Baum (1) in die Landschaft. Zwitschernd spielten die Vögel mit den tanzenden Schmetterlingen. Nur einer war traurig: Die Katze (9). Der Baum (1) war zu hoch, um zu den leckeren Vögeln zu kommen. Hätte sie doch nur ein Auto (4), dann könnte sie ihn ausreisen.
Die Geschichte ergibt keinen Sinn? Richtig, aber das muss sie auch nicht. Das Ziel ist es, sich die Geschichte merken zu können – und damit die Jahreszahl. Schließen Sie die Augen und wiederholen Sie die Geschichte. Wann begann der erste Weltkrieg?
Wollen Sie sich nun noch das Ende des Ersten Weltkriegs merken, können Sie die Geschichte mit diesem kurzen Zusatz erweitern:
Bis nächstes Mal schneidert sie sich ein Schneemann (8)-Kostüm, mit dem sie die Vögel dann anlocken wird.
Wo Sie nun wissen, dass der erste Weltkrieg von 1914-1918 dauerte, können Sie sich über diese Bildergeschichten auch Telefonnummern, Ihre Geheimzahl etc. merken.
5.3 Namen merken
Noch wichtiger als sich Zahlen merken zu können ist meines Erachtens das Namensgedächtnis. Sich nach dem ersten Treffen den Namen eines Menschen zu merken macht souverän. Jeder freut sich, seinen Namen zu hören. Der Angesprochene fühlt sich wichtig und beachtet – Sie halten seinen Namen für merkenswert. Der erste Schritt beim Merken eines Namen ist es, sich eine klare bildhafte Vorstellung des Namen zu machen. Bei Nachnamen wie Frau Engel, Herr Biber oder Frau Fischer ist das einfach wie die Nachtwanderung am Tag. Kniffligere Nachnamen wie Herr Bracke kann ich mit Worten assoziieren, die passen. So denke ich mir Herr Bracke einfach in eine Baracke. Herr Meier hat dicke Eier und Frau Hagen einen verkleinerten Magen. Frau Röhrdanz lasse ich an einer Röhre tanzen und Herr Schmidt bekommt in der schöpferischen Welt der Gedanken wie der Schmied einen Hammer in die Hand – unsere Gedanken gehören uns allein, mit grenzenloser Kreativität. Vor allem Vornamen kann ich mit Personen verbinden, die ich kenne – egal, ob aus dem Bekanntenkreis oder weil gleicher Name von einer berühmten Persönlichkeit getragen wird. Unterstützend, und falls ich den Namen nicht paaren kann, wird der Name ebenfalls mit einem passenden Wort assoziiert. So bekommt Boris einen Tennisschläger und Benedikt die Bibel in die Hand. Sandra spielt gerne im Sand oder Lisa steht eben einfach nur auf dem schiefen Turm von Pisa. Und nun… viel Erfolg und allzeit gute Erinnerung!
Quellen
[1] Christian Grüning: Garantiert erfolgreich lernen. Wie Sie Ihre Lese- und Lernfähigkeit steigern – 160 Seiten, ISBN-13: 978-3896345974
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Hallo Marc,
als Student bist ja noch voll im Geschäft, was das Lernen angeht. Das Thema beschäftigt uns aber sicher fast alle. Wie schaffe ich es meinen Lernstoff zu bewältigen? Welche Möglichkeiten gibt es effektiv, schneller, besser und einfacher zu lernen? Kann ich meine Gedächntnisleistung steigern? Welche Strategien gibt es um immer hochmotiviert ans Lernen zu gehen? Wie beseitige negativen Lernstress?
Dein Artikel bietet hierzu sehr viele postive Ansätze. Wer hierzu noch mehr erfahren möchte empfehle ich ergänzend folgendes Gratis eBook zum Thema: Effektiv, schneller, besser und stressfrei Lernen.
Also so toll find ich den Artikel nicht !
Hi,
interessante Zusammenfassung.
WĂĽrde gerne mehr ĂĽber “Verstehen” wissen, in Zusammenhang mit dem Lernen.
GruĂź
Alexander
Der Artikel war zwar sehr spannend aber zum thema konzentraion hat es mir nicht viel geholfen..bin momentan ziemlich unter PrĂĽfungsstress und kann mich nicht konzentrieren…was kann man den dagegen machen?
gruĂź Pelin
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