Richtig lernen - Ja! Lernen kann man lernen
Schrift:3. Februar 2009 in Wissen | 4 Kommentare | Artikel drucken
III. Lernen
Bevor wir das Öl in die Pfanne geben, müssen wir noch die zwei Arten des Lernens klären. Die erste Lernmethode erklärt »Wissen« zu lernen. Ereignisse in der Geschichte oder Aufgaben der Muskulatur kann man nur wissen, wenn man sie in Anführungszeichen »auswendig« gelernt hat. Die zweite Lernmethode hingegen bezieht sich auf Lernen durch Übung. Rechenaufgaben kann man zwar wie das Telefonbuch auswendig lernen, aber es verfehlt das Lernziel andere Aufgaben bravourös lösen zu können.
3.1 Rede schreiben und halten
Vermutlich jeder, der einmal eine Präsentation vorgetragen hat, kann bestätigen, dass man sich danach mit dem Thema sehr gut auskennt (vorausgesetzt es wurde nicht alles abgelesen). Warum ist das so? Warum macht uns eine Präsentation so bewandert mit dem Thema?
Weil der Sprechende sich davor intensiv mit seinem Vortrag beschäftigt. Lediglich mit ein paar Karteikarten gewappnet, auf denen sich ein paar Stichwörter tummeln, muss der Vortragende wissen, was er mit diesen Schlüsselwörtern formulieren will. Ja, wie bei der Mindmap ist auch bei einer Präsentation wichtig, dass sie aus Schlüsselwörtern besteht – keinen Sätzen. Dies bringt zwei Vorteile:
- Die Sätze werden mit Hilfe der Schlüsselwörter frisch formuliert und nicht leierhaft abgelesen. Die Präsentation wirkt natürlich und der dauernde Blick auf die Unterlagen wird vermieden.
Wo eben genannter Vorteil für unsere Zwecke noch nebensächlich ist, zündet folgender Vorteil den Funken im Stroh:
- Denn durch das Übertragen der Schlüsselwörter auf Karteikarten, und durch das anschließende freie formulieren dieser Schlüsselwörter zu Sätzen, prägen wir uns die Schlüsselwörter und damit das neue Wissen ein. Wir lernen unbewusst und zugleich effektiv.
3.1.1 Reichen Schlüsselwörter aus?
Schlüsselwörter reichen aus. Wie ausreichend Schlüsselwörter sind, sieht man z.B. daran, wenn mir in der gesellschaftlichen Runde zum Haare raufen kein Witz einfällt. Springt nun aber mein Freund ein und sagt »erzähl doch den mit dem Taxifahrer«, geht mir lächelnd das Licht auf – das Schlüsselwort hat genügt.
Was nun konkret zu tun ist:
- Schlüsselwörter für Rede notieren (beispielsweise auf Karteikarten). Wenn Kapitel II beherzigt wurde (»wichtige Schlüsselwörter des Textes nach eigenem Ermessen markieren«), können dies die markierten Leitwörter aus dem zu lernenden Text sein. Wichtig ist, dass aus den aufgeschriebenen Schlüsselwörtern das gesamte nötige Wissen reproduziert werden kann. Wie es beim Kochen beobachtet werden kann, ist es besser weniger Salz in die Suppe zu werfen. Nachwürzen geht immer, zurückwürzen wird schwerer. Beginnen Sie mit wenig Schlüsselwörtern, schmecken Sie dann ab (dazu in 2. mehr) – sind diese nicht ausreichend, schreiben Sie weitere dazu.
- Schlüsselwörter als Rede formulieren. Nachdem sich das gebündelte Wissen nun in den Schlüsselwörtern versteckt, muss es nur noch enthüllt werden. Nun berühren sich Junge und Mädchen, Wissen und Gehirn (oder umgekehrt); der entscheidende Lernprozess beginnt. Die Aufgabe des Lernenden ist jetzt aus den Schlüsselwörtern einen blühenden Vortrag für seine imaginären Zuschauer zu halten. Vor dem Spiegel (hilfreich) werde ich die Schlüsselwörter nun zu sinnvollen Sätzen formen, die das Wissen zum Thema einschlägig aufdecken. Die Rede wird laut gehalten, gleichsam wie man einer unwissenden Menge ein Thema verständlich erläutert – eine Präsentation eben. Die Präsentation ist laut gesprochen um einiges effektiver. Diese Grafik erklärt warum, denn laut sprechen entspricht anderen erklären:

Dieser wichtige Teil des Lernprozesses ist dann erfolgreich erledigt, wenn das Thema flüssig präsentiert werden kann. Eine Pause kann eingelegt werden.
Wie lange diese Pause sein darf? Nur der Ungeduldige fährt sein Heu nass ein - die Erklärung folgt in Kapitel IV.
3.2 Lernen durch Übung
»Auswendig« lernen ist also kein Hexenwerk. Es kann sogar Spaß machen und Haustier oder Videokamera hören immer gerne zu. Wie ist es aber bei Tätigkeiten, die nicht einfach auswendig gelernt werden können? Wie ist es beim Tango tanzen, Gitarre spielen oder Mathematik-Aufgaben lösen? Vom Reden allein ist noch niemand Sänger geworden. Übung macht den Meister und auch bekannt als »Learning by doing«! So ist z.B. das Geheimnis der Rechenaufgaben genügend viele zu lösen, bis man sie schließlich versteht. Aufgaben mit Zahlen lernt man durch Übungsaufgaben. Dazu gibt es zwei Möglichkeiten:
- Besteht die Möglichkeit, Aufgaben selbständig zu lösen. Wichtig ist, dass man am Ende weiß, ob das Ergebnis stimmt und richtig gerechnet wurde.
- Gibt es die Möglichkeit, Aufgaben durch »Zuschauen« zu verstehen - wie der Lehrling vom Koch. Zunächst versuche ich also die Aufgaben selbständig zu lösen. Wer schließlich auf den Stolz die Aufgabe eigens zu lösen verzichten will (das ist Faulheit) oder muss (dann ist es in Ordnung), darf versuchen die Aufgabe mit Hilfe der Lösung zu verstehen. Es ist viel leichter Aufgaben zu begreifen, wenn man den Lösungsweg vor Augen hat. Wie beim Labyrinth kann man so den Weg vom Ziel zurück zum Anfang verfolgen.
Lösungen zu Übungsaufgaben finden sich vielerorts. Als Schüler können die Aufgaben aus dem Unterricht nachgerechnet werden. Alternativ liefert Amazon Übungsbücher bis die Regalwand knackt. Je mehr Aufgaben ich verstehe, desto vertrauter wird der Stoff, bis ich es schließlich schaffe (vorausgesetzt ich versuche es) die erste Aufgabe »made by me« zu lösen.
Es reicht nicht immer, nur die Lösungswege anzuschauen und dann guten Gewissens zu denken, es wurde gelernt. A und O ist es, die Aufgaben früher oder später selbst lösen zu können. Dann erst darf sich das Gewissen ohne schlechtes Gewissen entspannen.
3.3 Welche Lernmethode bei Wahlmöglichkeit?
Nehmen wir an, Sie bereiten sich auf ein Examen vor. Oft besteht die Qual der Wahl sich eine der beiden Lernmethoden aussuchen zu können. Eine Rede zu schreiben sollte ohne Probleme möglich sein, da man in der Schule, beim Studium etc. immer von Lernstoff beinhaltenden Büchern begleitet wird. Andererseits ist es meist auch möglich sich Bücher mit Übungsaufgaben anzueignen. Bei der Vorbereitung zum Abitur z.B. kann man sich zu jedem Prüfungsfach ein Buch mit Abituraufgaben der Jahrgänge davor kaufen. Ist es nun besser die Bücher mit dem Lernstoff durchzukauen und darüber letztlich eine Rede zu halten, oder ist es sinnvoller die Übungsaufgaben zu lösen?
Die Antwort findet sich, wenn die Menge als Maßstab genommen wird. Beim Abitur z.B. wird der Lernstoff von mehreren Jahren abgefragt. Darüber eine Rede zu halten wäre die Wüste für die Seerose. Bei viel Lernstoff ist es tauglicher Übungsaufgaben zu lösen. Zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, kann man sich zugleich an die Fragestellung gewöhnen. Ist das Thema überschaubar, eignet sich die Rede hervorragend. Vorteil ist, dass ich mich nicht zu sehr auf die Antworten für die Fragen festlege, sondern das Thema freizügiger behandle.
Ihre Meinung ist wichtig. Hier klicken und Ihren Kommentar schreiben.
Hallo Marc,
als Student bist ja noch voll im Geschäft, was das Lernen angeht. Das Thema beschäftigt uns aber sicher fast alle. Wie schaffe ich es meinen Lernstoff zu bewältigen? Welche Möglichkeiten gibt es effektiv, schneller, besser und einfacher zu lernen? Kann ich meine Gedächntnisleistung steigern? Welche Strategien gibt es um immer hochmotiviert ans Lernen zu gehen? Wie beseitige negativen Lernstress?
Dein Artikel bietet hierzu sehr viele postive Ansätze. Wer hierzu noch mehr erfahren möchte empfehle ich ergänzend folgendes Gratis eBook zum Thema: Effektiv, schneller, besser und stressfrei Lernen.
Also so toll find ich den Artikel nicht !
Hi,
interessante Zusammenfassung.
Würde gerne mehr über “Verstehen” wissen, in Zusammenhang mit dem Lernen.
Gruß
Alexander
Der Artikel war zwar sehr spannend aber zum thema konzentraion hat es mir nicht viel geholfen..bin momentan ziemlich unter Prüfungsstress und kann mich nicht konzentrieren…was kann man den dagegen machen?
gruß Pelin
Schreiben Sie jetzt Ihren Kommentar
Es sind keine Trackbacks/Pings vorhanden.




Möchten Sie lieber per E-Mail über neue Artikel informiert werden?
