Verhaltensregeln mit denen Sie garantiert erfolgreicher werden - Teil 2

Schrift:10. September 2008 in Wissen | 8 Kommentare | Artikel drucken

Gutes Benehmen ist wie ein Designeranzug für unseren Charakter. Die Grundregeln lernt ein Kind in den jungen Jahren von seinen Eltern. Ist diese Hand voll Umgangsformen jedoch genug?

Im letzten Artikel der Benehmen-Artikelserie habe ich über die »Begrüßung«, »Das Duzen« und das »Benehmen am Telefon« geschrieben. In diesem Artikel vertiefen wir das Wissen über die Benimmregeln der so genannten Etikette. Es geht in diesem Artikel um das »Benehmen beim Essen«. Außerdem werde ich zu dem Thema »Essen« einiges Insiderwissen schreiben. Nachdem Sie diesen Artikel gelesen haben, werden Sie so unter anderem wissen, wie Profis »Einen Tisch decken« oder auch wie »Die Sprache des Bestecks« zu verstehen ist.

Es gibt Zeiten Reden zu halten, doch jetzt ist sie nicht. Beginnen wir also ohne Umschweife mit dem fünften Thema.

V. Benehmen beim Essen

5.1 Die Körperhaltung beim Essen
Der Körper
Hier gibt es eine Merkhilfe: Sitzen Sie so, dass zwischen Tisch und Körper eine Katze und zwischen Rücken und Stuhllehne eine Mäuschen passt. Zwischen den Gängen ist anlehnen okay, aber beim Essen nicht.
Die Arme
Lassen Sie die Arme beim Essen möglichst nah beim Körper. Ebenfalls gilt, dass die Ellenbogen nicht auf dem Tisch deponiert werden. Die Handgelenke dürfen Sie nach der Etikette allerdings locker auf dem Tisch ablegen.
Die Füße
Kein überschlagen, überkreuzen oder verknoten. Die Beine sollten wacker nebeneinander bleiben.

5.2 Bei wem wird zuerst serviert?
Hier kommt es auf die Situation an. Gibt es einen Ehrengast, bekommt dieser als erster sein Essen serviert. Ist ein solcher nicht anwesend, dann bekommt die ranghöchste Dame als Erste das Gericht. Anschließend werden die Gerichte der Reihe nach im Uhrzeigersinn an die Gäste ausgegeben.

  • Speisen werden von links serviert.
  • Die Gläser stehen rechts und dementsprechend werden die Getränke auch von rechts eingeschenkt. Das erste Mal wird eingeschenkt, bevor das erste Essen serviert wird. Das Glas beim Einschenken nie dem Kellner entgegenhalten. So vermeiden Sie, dass Sie das Glas auf Grund eines Missverständnis vorzeitig wegziehen.
  • Die Reihenfolge beim Servieren auf Servierplatten ist zunächst das Fleisch und die Soßen, danach das Gemüse, die Beilagen und zum Schluss der Salat. Gewöhnlich werden alle Servierplatten im Laufe des Hauptgangs einmal nachgereicht, sodass jeder am Ende zufrieden nach Hause gehen darf.
  • Abgeräumt werden die Teller sowie die Gläser von rechts.

5.3 Beim Trinken zu beachten
Bei einem Glas mit Stiel sollten Sie das Glas auch an dem Stiel anfassen. Es vermeidet Fettflecke auf dem Glas.

5.4 Die Gabel zum Mund führen

A und O ist, dass die Gabel zum Mund geht und nicht der Mund zur Gabel. Ideal ist, wenn Sie die Gabel auf einer waagrechten Linie zum Mund führen. So erreichen auch die Erbsen ihr Ziel.

5.5 Das Besteck aus der Hand legen
Merken Sie sich hier, dass Gabel und Messer, wenn sie einmal benutzt sind, nie mehr mit der Tischdecke in Berührung kommen sollten. Wer sieht schon gerne die ganze Zeit einen Fettfleck auf seinem Teil der Tischdecke?

Aus diesem Grund legen Sie das Besteck stets gekreuzt auf Ihren Teller. Die Schneide des Messers ist dabei unter der Gabel, deren Zinken nach unten zeigen. Dies hat zwei Vorteile. Zum einen verhindern Sie das Wegrutschen der Besteckteile und zum anderen, weil gekreuzt, signalisieren Sie den Restaurantfachkräften, dass Sie mit dem Essen noch nicht fertig sind.

5.6 Die Serviette benutzen
Die Ausnahme zuerst, das Krebsessen. Dort können Sie die Serviette als Latz umbinden. Andernfalls legen Sie sich die Serviette auf den Schoß. Dabei falten Sie die Serviette längs zu einem Rechteck und legen Sie auf Ihren Schoß. Die Öffnung der Serviette ist oben, also in Richtung des Körpers.

Wissen Sie warum?
Der Grund dafür ist, dass man sich den Mund dann mit der Innenseite der Serviette abwischen kann. Somit sieht niemand die Flecken, wenn die Serviette am Ende des Essens links neben den Teller gelegt wird. Somit signalisieren Sie, dass Sie fertig gegessen hat.

Ein kleiner Tipp. Sie sollten die Serviette jedes Mal benutzen, wenn Sie ein Glas zum Mund nehmen. Somit vermeidet man Fettspuren auf dem Glas.

Insiderwissen zum Thema Essen

Insiderwissen. Einen Tisch decken
Für Kellner eines noblen Sternerestaurants ist dieses Wissen genauso wichtig wie für den Friseur das Bedienen einer Schere.

Zunächst einmal gibt es das »kleine Gedeck«, das aus einer Suppe, einem Hauptgericht und einem Dessert besteht. Die größere Variante, das »fünfgängige Menü« ,besteht nach internationalem Standard aus der Vorspeise, der Suppe, einem Fischgericht, etwas Fleisch und schließlich einem Dessert.

Das »kleine Gedeck«
Das zugehörige Besteck für das »kleine Gedeck« besteht aus Gabel, Messer, einem Suppenlöffel und einem Dessertlöffel. Oberhalb rechts des Dessertlöffels steht ein Glas für das Tischgetränk, z.B. Mineralwasser.

  • Die Gabel liegt links vom Teller.
  • Rechts vom Teller liegt das Messer.
  • Rechts neben dem Messer liegt ein Suppenlöffel.
  • Oberhalb von dem Teller liegt quer ein Dessertlöffel, er mit dem Griff nach rechts zeigen sollte.


Das »fünfgängige Menü«

Bei dem edleren fünfgängigen Menü benötigt man je nach Gangart unterschiedliches Besteck. Die Reihenfolge, in der das Besteck und die Gläser benutzt werden, ist von außen nach innen.

  • Für die Vorspeise werden entweder nur eine Gabel, die in diesem Fall rechts liegt, oder eine Gabel und ein Messer benötigt, wobei die Gabel links und das Messer rechts liegen.
  • Auf der rechten Seite folgen für die Suppe ein Suppenlöffel, das Fischmesser, und schließlich ein Messer für das Fleisch.
  • Links, nach dem Vorspeisenbesteck, folgen die Fischgabel und gleich daneben die Gabel für das Fleisch.
  • Oberhalb liegt wieder das Besteck für das Dessert. Der Dessertlöffel zeigt dabei mit dem Griff nach rechts. Eine Dessertgabel zeigt mit Ihrem Griff nach links.
  • Bei frischen Früchten wird anstatt eines Dessertlöffels ein Dessertmesser über den Teller gelegt.
  • Oben links neben dem Dessertbesteck findet der Brotteller mit seinem dazugehörigen Brotmesser seinen Platz.

Zur Info. Hat ein Menü mehr als sechs Gänge ist es wichtig, darauf zu achten, dass links nicht mehr als drei Besteckteile und rechts nicht mehr als vier Besteckteile liegen. Zusätzliche Besteckteile werden nachgereicht.

Insiderwissen. Wie Sie Gabel und Messer hinlegen
Die Gabel zeigt mit den Zinken nach oben und die Schneide des Messers zeigt in Richtung des Tellers.

Insiderwissen. Die Sprache des Bestecks
Tatsächlich hat das Besteck nicht nur die Qualitäten eines Werkzeugs, sondern es hat auch eine Sprache. In Restaurants mit ausgebildeten Fachkräften wird diese Sprache verstanden. Beschränkt auf vier Sätze ist diese Sprache einfach zu lernen.

  • Liegen Messer und Gabel gekreuzt übereinander, heißt dass, wie oben schon erwähnt, dass Sie mit dem Essen noch nicht fertig sind und dass gegebenenfalls nachserviert werden soll.
  • Sind Sie mit dem Essen fertig, legen Sie Ihr Messer und Ihre Gabel parallel nebeneinander.
  • Wollen Sie das Personal nicht ungewollt enttäuschen, dann beachten Sie: Unter Kennern ist es bekannt, dass Sie signalisieren, dass das Essen geschmeckt hat, wenn Sie das Messer und die Gabel in Richtung links unten legen (etwa fünf nach halb sieben). War das Essen nicht zufriedenstellend, dann legen Sie das Messer und die Gabel nach rechts unten (also in etwa fünf vor halb sieben).

Das war der zweite Teil der Benehmen-Artikelserie. Im nächsten und damit letzten Artikel dieser Serie folgen die zwei Themen »Benehmen im Kino etc.« und »Manieren bei einem Date«.

Wie herum würden Sie als Mann zu der Fahrerseite laufen nachdem Sie der Dame die Türe aufgehalten haben?
Nicht nur das erfahren Sie im nächsten Artikel der Benehmen-Artikelserie.

Alle Artikel der Benehmen-Artikelserie im Überblick:
Verhaltensregeln mit denen Sie garantiert erfolgreicher werden - Teil 1
Verhaltensregeln mit denen Sie garantiert erfolgreicher werden - Teil 2
Verhaltensregeln mit denen Sie garantiert erfolgreicher werden - Teil 3

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1. Sebastian schreibt am 10. September 2008 um 17:21

War für mich persönlich etwas zu viel, als es um >>die Sprache der Bestecks<< ging, aber sonst gut verständlich geschrieben.

Kleiner Fehler noch:
“Hier kommt auf die Situation an” (5.2 Z.1)
“Hier kommt es auf die Situation an”

Gruß Sebastian

2. Amsterdam schreibt am 10. September 2008 um 18:07

Müsste der dritte Punkt bei “Die Sprache des Bestecks” nicht genau andersherum lauten, sprich links unten nicht gemundet…?

3. Schokoladenes schreibt am 10. September 2008 um 18:16

@Sebastian
Danke!

@Amsterdam
Nachdem ich im Knigge gerade noch einmal nachgeschaut hat, kann ich dir mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass es stimmt wie es in dem Artikel steht. Also rechts unten = :( und links unten = :)

4. bernd r wehn schreibt am 5. Dezember 2008 um 14:25

Alles schön geschrieben, wird aber wahrscheinlich nur von 10% der Bevölkerung auch beherrscht …
dagegen beherrschen anscheinend fast 95% aller Deutschen diese überflüssige Bemerkung MAHLZEIT, so bald es zu Tisch geht.

5. Roland Rübel schreibt am 28. März 2009 um 23:42

Gut und nicht ausufernd beschrieben! Müßte sich mancher mal durchlesen und auch beherzigen - vor allem diese Zeitgenossen, welche mit der rechten Hand essen und den linken Unterarm auf die Tischplatte legen….(sieht man selbst in besseren Restaurants)

6. Mathias Hentrich schreibt am 17. August 2009 um 17:01

Laut dem großen Knigge sollte es die Besteck-Signalisierung, ob es geschmeckt hat oder nicht, eigentlich nicht geben. Auch kursieren beide Varianten im Wechsel, so dass dadurch eher Missverständnisse entstehen können.
Quelle: http://www.stil.de/knigge-tipps/index.php3?id=1582&archiv=1&rubrik=1

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